Anhang A 5.16 Identitäsmanagement

(nach ISO/IEC 27001:2022 und ISO/IEC 27002:2022)

Ein wirksames Identitätsmanagement ist eine grundlegende Voraussetzung für die sichere Steuerung von Zugriffen auf Informationen, Systeme und andere damit verbundene Werte. Nur wenn Identitäten eindeutig vergeben, verwaltet und kontrolliert werden, können Zugriffsrechte korrekt zugeordnet und Missbrauch wirksam verhindert werden. Dieses Control stellt sicher, dass Identitäten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg sicher und nachvollziehbar verwaltet werden.


Zweck des Controls

A 5.16 soll gewährleisten, dass Identitäten von Personen, Systemen und Diensten eindeutig identifiziert, verwaltet und kontrolliert werden. Ziel ist es, sicherzustellen, dass nur autorisierte Identitäten Zugriff auf Informationswerte erhalten und dass Änderungen im Lebenszyklus von Identitäten zeitnah und korrekt umgesetzt werden. Das Identitätsmanagement bildet die Grundlage für eine wirksame Zugangskontrolle und den Schutz vor unbefugten Zugriffen.


Anforderungen und Maßnahmen

1. Definition von Identitätstypen

Organisationen müssen festlegen, welche Arten von Identitäten verwaltet werden, insbesondere:

  • Benutzeridentitäten von Mitarbeitenden
  • Identitäten externer Nutzer oder Dienstleister
  • technische Identitäten von Systemen oder Anwendungen
  • Service- und Funktionskonten

Die Identitätstypen müssen klar unterschieden und dokumentiert werden.


2. Lebenszyklusmanagement von Identitäten

Identitäten müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg verwaltet werden:

  • Anlage von Identitäten bei Eintritt oder Bedarf
  • Änderungen bei Rollen- oder Aufgabenwechsel
  • temporäre oder projektbezogene Identitäten
  • Deaktivierung und Löschung bei Austritt oder Wegfall des Bedarfs

Alle Schritte müssen klar definiert und nachvollziehbar sein.


3. Eindeutigkeit und Nachvollziehbarkeit

Jede Identität muss eindeutig einer Person oder einem System zugeordnet sein:

  • Vermeidung gemeinsamer Benutzerkonten, soweit möglich
  • klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten
  • eindeutige Benennung von Identitäten
  • Dokumentation der Zuordnung

Dies ist Voraussetzung für Verantwortlichkeit und Protokollierung.


4. Genehmigung und Kontrolle der Identitätsvergabe

Die Vergabe von Identitäten muss kontrolliert erfolgen:

  • formalisierte Beantragung und Genehmigung
  • Prüfung der Notwendigkeit und Berechtigung
  • Einbindung zuständiger Rollen oder Fachbereiche
  • Dokumentation der Entscheidungen

So wird sichergestellt, dass Identitäten nur bei berechtigtem Bedarf vergeben werden.


5. Schutz von Identitätsinformationen

Informationen zu Identitäten müssen angemessen geschützt werden:

  • Schutz personenbezogener Identitätsdaten
  • Einschränkung des Zugriffs auf Identitätsinformationen
  • sichere Speicherung und Übertragung
  • Einhaltung datenschutzrechtlicher Anforderungen

Dies verhindert Missbrauch oder unbefugte Offenlegung.


6. Integration mit Zugriffs- und Berechtigungsmanagement

Das Identitätsmanagement muss mit der Zugangskontrolle verzahnt sein:

  • Kopplung an Rollen- und Berechtigungskonzepte
  • automatische Zuordnung von Rechten auf Basis von Identitäten
  • Unterstützung des Prinzips der minimalen Berechtigung
  • Integration in Onboarding- und Offboarding-Prozesse

So wird eine konsistente Steuerung von Zugriffen ermöglicht.


7. Überwachung und Überprüfung von Identitäten

Identitäten müssen regelmäßig überprüft werden:

  • Kontrolle auf veraltete oder inaktive Identitäten
  • Überprüfung temporärer oder privilegierter Identitäten
  • regelmäßige Rezertifizierung
  • Behandlung von Abweichungen oder Unklarheiten

Dies reduziert das Risiko unberechtigter Zugriffe.


8. Dokumentation und Nachweisführung

Das Identitätsmanagement muss nachvollziehbar dokumentiert sein:

  • Richtlinien und Verfahren zum Identitätsmanagement
  • Nachweise über Anlage, Änderung und Löschung von Identitäten
  • Dokumentation von Genehmigungen und Prüfungen
  • Protokolle relevanter Aktivitäten

Diese Dokumentation ist essenziell für Audits und Compliance.


Zusammenfassung

A 5.16 fordert, dass Organisationen Identitäten systematisch und sicher verwalten. Durch klare Definition von Identitätstypen, ein strukturiertes Lebenszyklusmanagement, kontrollierte Vergabe, Schutz von Identitätsinformationen sowie regelmäßige Überprüfung wird sichergestellt, dass Zugriffe auf Informationen und Systeme wirksam gesteuert werden. Das Control bildet eine zentrale Grundlage für Zugangskontrolle, Nachvollziehbarkeit und die Gesamtwirksamkeit des Informationssicherheitsmanagementsystems.

Auditor prüft die Nachweis-Checkliste im ISO-27001-Audit
A 5.16 · in der Praxis

Was der Auditor hier sehen will

Vier Fragen, die im Zertifizierungsaudit zu A 5.16 tatsächlich gestellt werden – und woran sie sich entscheiden.

„Wie entsteht eine neue Identität in Ihren Systemen?“
Der Lebenszyklus muss geregelt sein: Anlage, Änderung, Sperrung, Löschung – mit Auslöser und Zuständigkeit.
„Wie verhindern Sie geteilte Konten?“
Sammelkonten machen jede Nachvollziehbarkeit unmöglich. Wo sie unvermeidbar sind, braucht es eine Begründung und Kompensation.
„Wie behandeln Sie technische Konten und Dienstkonten?“
Diese Konten haben oft weitreichende Rechte und keinen Eigentümer – ein regelmäßiger Befund.
„Wie schnell werden Identitäten beim Austritt deaktiviert?“
Der Auditor vergleicht Austrittsdatum und Sperrdatum an einem realen Fall.
Das Dokument dazu

A 5.16-1 Identitäsmanagement

Lebenszyklus von Identitäten mit Auslösern und Zuständigkeit · Umgang mit geteilten und technischen Konten · Fristen für Sperrung und Löschung. In der ISMS-Plattform entsteht das Dokument aus Ihren Angaben und ist mit dem Control und seinen Nachweisen verknüpft.

Sie arbeiten die Norm gerade durch? Alle Klauseln und Controls im Überblick