CIO, CISO, ISB, DSB, ISMS — WTH?!

Ein Spickzettel für alle, die im Meeting nicken, obwohl sie gerade nichts verstehen.

 

Montagmorgen, Führungsrunde. Jemand sagt: „Der ISB sagt, wir brauchen ein ISMS, der CISO ist überlastet, und der DSB fragt, ob das auch seine Aufgabe ist.“

 

Sie nicken. Alle nicken. Aber eigentlich denken viele WTH — What The Heck?!

Hier ist Ihr Spickzettel. Ausdrucken erlaubt.

 

CIO — Chief Information Officer

Was er tut: Verantwortet die gesamte IT-Strategie eines Unternehmens. Systeme, Infrastruktur, Digitalisierung, Budget.

Wofür er nachts wach liegt: „Läuft die IT? Bringen wir die Digitalisierung voran? Warum kostet alles doppelt so viel wie geplant?“

Haftet er? Nicht direkt für Informationssicherheit — aber wenn die IT brennt, steht er im Feuer.

Vorgeschrieben? Nein. Aber jedes Unternehmen ab einer gewissen Grösse hat de facto jemanden in dieser Rolle — ob mit oder ohne Titel.

 

CISO — Chief Information Security Officer

Was er tut: Verantwortet die Informationssicherheitsstrategie. Definiert Richtlinien, steuert das ISMS, berichtet an die Geschäftsleitung.

Wofür er nachts wach liegt: „Sind wir sicher? Was passiert bei einem Breach? Hat jemand schon wieder auf den Phishing-Link geklickt?“

Haftet er? Er trägt die operative Verantwortung für die Informationssicherheit. Die Gesamthaftung bleibt bei der Geschäftsleitung.

Vorgeschrieben? Nicht gesetzlich — aber für regulierte Branchen (KRITIS, Finanzsektor) quasi Pflicht. ISO 27001 fordert eine „Leitung der Informationssicherheit“ (Kl. 5.3), nennt aber keinen spezifischen Titel.

 

Fun Fact: In vielen Mittelständlern ist der CISO gleichzeitig der Typ, der auch den Drucker repariert.

 

ISB — Informationssicherheitsbeauftragter

Was er tut: Die operative rechte Hand der Geschäftsleitung in Sachen Informationssicherheit. Baut das ISMS auf, pflegt Dokumente, koordiniert Massnahmen, bereitet Audits vor.

Wofür er nachts wach liegt: „Ist die Risikoanalyse aktuell? Haben alle ihre Schulung gemacht? Kommt der Auditor nächste Woche?!“

Haftet er? Persönlich in der Regel nicht — er berät und koordiniert. Die Verantwortung bleibt bei der Geschäftsleitung (§ 43 GmbHG, § 93 AktG).

Vorgeschrieben?

ISO 27001: Ja, indirekt. Klausel 5.3 fordert die Zuweisung von Rollen und Verantwortlichkeiten.

BSI IT-Grundschutz: Ja, explizit gefordert.

NIS2 (ab 2025/2026): Ja, für betroffene Unternehmen.

Der ISB kann intern oder extern sein. Externer ISB = ein Dienstleister übernimmt die Rolle. Vorteil: sofort verfügbar, unabhängig, kein interner Interessenkonflikt. Nachteil: kennt Ihr Unternehmen nicht so gut wie jemand, der täglich im Büro sitzt.

 

DSB — Datenschutzbeauftragter

Überwacht die Einhaltung der DSGVO. Berät bei Verarbeitungsverzeichnissen, Datenschutz-Folgenabschätzungen und Betroffenenrechten.

Sein grösstes Problem: „Nein, Sie dürfen nicht einfach alle Kundendaten in eine Excel-Tabelle auf dem Desktop speichern.“

Vorgeschrieben? Ja — ab 20 Mitarbeitenden, die regelmässig personenbezogene Daten verarbeiten (§ 38 BDSG).

Wichtig: Der DSB darf aus Gründen des Interessenkonflikts nicht gleichzeitig ISB sein. Und nein — die IT-Abteilung ist auch keins von beiden.

 

 

 

ISMS — Information Security Management System

Kein Mensch, sondern ein System. Das Gesamtpaket aus Richtlinien, Prozessen, Risikomanagement und Controls, das Ihre Informationssicherheit strukturiert.

Ohne ISMS kein ISO 27001-Zertifikat. So einfach ist das.

 

Wer haftet jetzt eigentlich?

Das ist die Frage, die in jedem Meeting gestellt werden sollte — aber selten wird.

Die kurze Antwort: Die Geschäftsleitung. Immer. Der Geschäftsführer kann Aufgaben delegieren — an CISO, ISB, externe Berater. Aber die Verantwortung kann er nicht delegieren. Nach § 43 GmbHG und § 93 AktG haftet die Geschäftsleitung persönlich für die Sorgfaltspflicht — und dazu gehört seit NIS2 und DSGVO explizit auch die Informationssicherheit. Seit NIS2 drohen bei Pflichtverletzung sogar persönliche Bußgelder.

 

Welche Rolle brauchen Sie?

  • Unter 50 MA: Externer ISB + interne Ansprechperson
  • 50–250 MA: ISB (intern oder extern), evtl. CISO in Teilzeit
  • Ab 250 MA: Dedizierter CISO + ISB-Team
  • Ab 20 MA mit Datenverarbeitung: DSB (gesetzlich vorgeschrieben)
  • Alle: Ein ISMS — spätestens wenn Kunden, Partner oder Regularien es fordern

 

Haben Sie alle notwendigen Rollen besetzt? Kennt jeder seine Rolle? Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen mit WTH.

 

Hand aufs Herz: Wie viele dieser Rollen landen bei Ihnen auf einer einzigen Person? 
Und falls die Antwort „alle“ ist — wir sollten reden. 😉

Fachfrau liest konzentriert einen Fachtext zur Informationssicherheit
Grundlagen · Die Rollen im Überblick

Woran Sie erkennen, ob Sie das brauchen

Wer wofür zuständig ist – und wo sich die Rollen überschneiden.

Nicht jede Rolle ist Pflicht.
Der Datenschutzbeauftragte ist es unter bestimmten Voraussetzungen, der ISB folgt aus ISO 27001. CIO und CISO sind Organisationsfragen.
Doppelbesetzung ist erlaubt, aber begrenzt.
ISB und DSB in einer Person ist möglich, kann aber zu Interessenkonflikten führen – das gehört geprüft und dokumentiert.
Entscheidend sind Befugnis und Berichtsweg.
Nicht der Titel zählt, sondern ob die Rolle etwas durchsetzen und an die Leitung berichten kann.
Vertretung wird regelmäßig vergessen.
Ein ISMS, das an einer Person hängt, ist ein Risiko – und im Audit eine Nachfrage wert.
Ihr nächster Schritt

Ihre Rollen, sauber zugeordnet

Der Readiness-Check prüft unter anderem, ob Rollen, Befugnisse, Vertretung und Berichtslinien bei Ihnen belegbar geregelt sind.

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