Anhang A 5.30 IKT-Bereitschaft für Business Continuity

(nach ISO/IEC 27001:2022 und ISO/IEC 27002:2022)

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind für die Aufrechterhaltung zentraler Geschäftsprozesse unverzichtbar. Störungen oder Ausfälle von IKT-Systemen können erhebliche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Informationen, die Durchführung kritischer Prozesse und die Erfüllung vertraglicher oder regulatorischer Anforderungen haben. Dieses Control stellt sicher, dass die IKT-Bereitschaft gezielt geplant, umgesetzt und überwacht wird, um die Business Continuity der Organisation zu unterstützen.


Zweck des Controls

A 5.30 soll gewährleisten, dass IKT-Systeme und -Dienste die Anforderungen der Business Continuity unterstützen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass kritische IKT-Komponenten im Notfall verfügbar bleiben oder innerhalb definierter Zeiträume wiederhergestellt werden können und dass Informationssicherheitsanforderungen auch in Krisen- und Ausnahmesituationen eingehalten werden.


Anforderungen und Maßnahmen

1. Identifikation kritischer IKT-Ressourcen

Organisationen müssen die IKT-Ressourcen identifizieren, die für die Business Continuity relevant sind, insbesondere:

  • geschäftskritische Anwendungen und Systeme
  • zentrale Infrastrukturen (z. B. Netzwerke, Rechenzentren, Cloud-Dienste)
  • Kommunikationssysteme
  • Schnittstellen zu externen Dienstleistern oder Kunden
  • Daten und Informationsbestände mit hohem Verfügbarkeitsbedarf

Diese Ressourcen sind risikoorientiert zu bewerten.


2. Abstimmung mit Business-Continuity-Anforderungen

Die IKT-Bereitschaft muss mit den Anforderungen des Business-Continuity-Managements abgestimmt sein:

  • Definition von Wiederanlaufzeiten (RTO)
  • Definition von maximal tolerierbaren Datenverlusten (RPO)
  • Priorisierung von Systemen und Diensten
  • Berücksichtigung geschäftlicher und regulatorischer Anforderungen

So wird sichergestellt, dass IKT-Maßnahmen den Geschäftsanforderungen entsprechen.


3. Planung von IKT-Notfall- und Wiederherstellungsmaßnahmen

Organisationen müssen geeignete Maßnahmen für Notfall und Wiederherstellung planen, zum Beispiel:

  • Backup- und Wiederherstellungsverfahren
  • Redundanzen und Ausweichlösungen
  • Notfallarbeitsplätze oder alternative Betriebsformen
  • Verfahren zur Wiederherstellung von Anwendungen und Daten

Die Maßnahmen müssen dokumentiert und regelmäßig überprüft werden.


4. Sicherstellung der Informationssicherheit im Notfall

Auch im Notfall müssen Informationssicherheitsanforderungen eingehalten werden:

  • Schutz der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen
  • kontrollierte Nutzung von Notfall- oder Ausnahmerechten
  • sichere Wiederherstellung von Daten und Systemen
  • Schutz von Backup- und Notfallsystemen

Notfallmaßnahmen dürfen keine dauerhaften Sicherheitslücken erzeugen.


5. Einbindung von Lieferanten und externen Dienstleistern

Die IKT-Bereitschaft muss Lieferanten und externe Parteien berücksichtigen:

  • Abstimmung von Notfall- und Wiederherstellungsanforderungen
  • vertragliche Regelungen zu Verfügbarkeit und Wiederanlauf
  • Berücksichtigung von Abhängigkeiten in der Lieferkette
  • Überprüfung der Notfallfähigkeit externer Dienstleister

So werden Risiken aus externen Abhängigkeiten reduziert.


6. Tests und Übungen der IKT-Bereitschaft

Die Wirksamkeit der IKT-Bereitschaft muss regelmäßig überprüft werden:

  • Durchführung von Notfalltests oder Wiederherstellungsübungen
  • Überprüfung der Erreichbarkeit von RTO- und RPO-Zielen
  • Bewertung der Wirksamkeit technischer und organisatorischer Maßnahmen
  • Dokumentation von Ergebnissen und Abweichungen

Tests sind essenziell, um Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.


7. Schulung und Sensibilisierung

Beteiligte Mitarbeitende müssen auf ihre Aufgaben vorbereitet sein:

  • Schulungen zu Notfall- und Wiederherstellungsprozessen
  • klare Rollen- und Aufgabenbeschreibungen
  • Sensibilisierung für Informationssicherheitsanforderungen im Notfall
  • regelmäßige Auffrischungen und Übungen

Dies stellt eine koordinierte Umsetzung sicher.


8. Dokumentation und kontinuierliche Verbesserung

Alle Aspekte der IKT-Bereitschaft müssen dokumentiert werden:

  • Notfall- und Wiederherstellungspläne
  • Ergebnisse von Tests und Übungen
  • identifizierte Schwachstellen und Maßnahmen
  • Integration in Management Reviews und Verbesserungsprozesse

So bleibt die IKT-Bereitschaft dauerhaft wirksam und aktuell.


Zusammenfassung

A 5.30 fordert, dass Organisationen ihre IKT-Bereitschaft systematisch planen und umsetzen, um die Business Continuity zu unterstützen. Durch die Identifikation kritischer IKT-Ressourcen, Abstimmung mit Business-Continuity-Anforderungen, Planung von Notfall- und Wiederherstellungsmaßnahmen, regelmäßige Tests sowie kontinuierliche Verbesserung wird sichergestellt, dass IKT-Ausfälle die Geschäftsfortführung nicht unkontrolliert beeinträchtigen. Das Control ist ein zentraler Baustein für Resilienz und Verfügbarkeit im Informationssicherheitsmanagementsystem.

Auditor prüft die Nachweis-Checkliste im ISO-27001-Audit
A 5.30 · in der Praxis

Was der Auditor hier sehen will

Vier Fragen, die im Zertifizierungsaudit zu A 5.30 tatsächlich gestellt werden – und woran sie sich entscheiden.

„Welche Wiederanlaufzeiten haben Sie für Ihre IT-Systeme?“
RTO und RPO müssen je System festgelegt und aus den Geschäftsanforderungen abgeleitet sein.
„Woher kommen diese Zeiten?“
Ohne Business-Impact-Analyse sind die Zeiten geschätzt – und halten der Nachfrage nicht stand.
„Wann haben Sie den Wiederanlauf zuletzt getestet?“
Ein ungetesteter Wiederanlaufplan ist eine Hoffnung. Der Testnachweis ist der Kern dieses Controls.
„Was hat der letzte Test ergeben?“
Ein Test ohne Feststellungen ist verdächtig. Gefragt sind Lehren und daraus folgende Anpassungen.
Das Dokument dazu

A 5.30-1 IKT-Bereitschaft für Business Continuity

Wiederanlaufplanung je System mit RTO und RPO · Herleitung aus der Business-Impact-Analyse · Testplan, Testnachweise und Anpassungen. In der ISMS-Plattform ist das mit dem BCM-Modul verknüpft.

Sie arbeiten die Norm gerade durch? Alle Klauseln und Controls im Überblick