Anhang A 8.6 Kapazitätsmanagement

(nach ISO/IEC 27001:2022 und ISO/IEC 27002:2022)

Ein wirksames Kapazitätsmanagement ist erforderlich, um sicherzustellen, dass Informationsverarbeitungssysteme jederzeit über ausreichende Ressourcen verfügen. Unzureichende Kapazitäten können zu Leistungsengpässen, Systemausfällen oder Sicherheitsvorfällen führen und die Verfügbarkeit von Informationen beeinträchtigen. Dieses Control stellt sicher, dass Kapazitäten geplant, überwacht und bedarfsgerecht angepasst werden.


Zweck des Controls

A 8.6 soll gewährleisten, dass die Kapazitäten von Informationsverarbeitungssystemen den aktuellen und zukünftigen Anforderungen entsprechen. Ziel ist es, Leistungsprobleme zu vermeiden, die Verfügbarkeit von Systemen sicherzustellen und Risiken für die Informationssicherheit durch Überlastung oder Ressourcenknappheit zu minimieren.


Anforderungen und Maßnahmen

1. Identifikation kapazitätsrelevanter Ressourcen

Organisationen müssen Ressourcen identifizieren, die für die Informationsverarbeitung relevant sind, insbesondere:

  • Rechenleistung
  • Speicher- und Datenbankkapazitäten
  • Netzwerkbandbreite
  • System- und Anwendungsressourcen

Die Identifikation muss vollständig und aktuell sein.


2. Festlegung von Kapazitätsanforderungen

Kapazitätsanforderungen müssen definiert werden:

  • aktuelle und erwartete Nutzung
  • Anforderungen aus Geschäftsprozessen
  • Sicherheits- und Verfügbarkeitsanforderungen
  • Abhängigkeiten zwischen Systemen

Dies bildet die Grundlage für Planung.


3. Überwachung der Kapazitätsauslastung

Die Nutzung von Kapazitäten muss überwacht werden:

  • kontinuierliche oder regelmäßige Messung
  • Überwachung kritischer Schwellenwerte
  • frühzeitige Erkennung von Engpässen
  • Protokollierung relevanter Kennzahlen

So können Probleme frühzeitig erkannt werden.


4. Planung und Prognose

Kapazitäten müssen vorausschauend geplant werden:

  • Analyse von Nutzungstrends
  • Berücksichtigung geplanter Änderungen oder Wachstum
  • Planung von Erweiterungen oder Optimierungen
  • Abstimmung mit Geschäfts- und IT-Planung

Dies unterstützt eine nachhaltige Versorgung.


5. Maßnahmen bei Kapazitätsengpässen

Es müssen Maßnahmen für den Umgang mit Engpässen definiert sein:

  • Priorisierung kritischer Systeme
  • kurzfristige Entlastungsmaßnahmen
  • Skalierung oder Erweiterung von Ressourcen
  • Eskalations- und Entscheidungsprozesse

So werden Auswirkungen minimiert.


6. Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten

Kapazitätsmanagement muss Sicherheitsaspekte einbeziehen:

  • Vermeidung von Überlastung als Angriffsvektor
  • Schutz vor Denial-of-Service-Effekten
  • Sicherstellung ausreichender Ressourcen für Sicherheitsfunktionen
  • Integration in Risikobewertungen

Dies stärkt die Resilienz.


7. Dokumentation und Verantwortlichkeiten

Kapazitätsmanagement muss dokumentiert sein:

  • Verantwortlichkeiten für Planung und Überwachung
  • definierte Schwellenwerte und Maßnahmen
  • Berichte und Auswertungen
  • Integration in Betriebsprozesse

Die Dokumentation unterstützt Nachvollziehbarkeit.


8. Überprüfung und kontinuierliche Verbesserung

Kapazitätsmanagement-Prozesse müssen regelmäßig überprüft werden:

  • Bewertung der Wirksamkeit
  • Analyse von Vorfällen oder Engpässen
  • Anpassung von Planungsannahmen
  • Integration von Lessons Learned

So bleibt das Kapazitätsmanagement wirksam.


Zusammenfassung

A 8.6 fordert, dass Organisationen die Kapazitäten ihrer Informationsverarbeitungssysteme systematisch planen, überwachen und anpassen. Durch Identifikation relevanter Ressourcen, kontinuierliche Überwachung, vorausschauende Planung, definierte Maßnahmen bei Engpässen sowie Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten wird sichergestellt, dass Systeme leistungsfähig und verfügbar bleiben. Das Control ist ein wichtiger Bestandteil der technischen Sicherheitsmaßnahmen und der betrieblichen Resilienz im Informationssicherheitsmanagementsystem.